„Wenn in irgendeiner Organisation die Reputation des Systems und seiner Führungspersonen wichtiger genommen wird, als der Schutz der menschlichen Würde derjenigen, die diesem System dienen oder denen dieses System dient, dann kann man sicher sein, dass die Scham systemimmanent ist, dass die ethischen Standards von Geld bestimmt werden und, dass es dort so etwas wie Verantwortlichkeit schon lange nicht mehr gibt.“ Dieses Zitat zum Thema guten Umgangs mit Konflikten, stamm aus dem Buch „Entdecke deine innere Stärke“ von Brenè Brown.

Konflikte lieben

Diese Passage des Buches hat mich (Lisa) dazu animiert, mich dem Thema „Konflikt“ zuzuwenden. Es ist sehr wichtig, Konflikte in seiner Organisation oder seinem Team auszutragen. Ich habe Konflikte im Team immer als etwas Notweniges, niemals als etwas Schlechtes angesehen. Die Kunst ist es, Konflikte dazu zu nutzen, sich und sein Gegenüber besser kennen zu lernen. Denn das Mindeste, was ein Konflikt hervorbringen kann, ist, dass man voneinander erfährt, was man noch nicht wusste. Und wenn es richtig gut läuft, kommt man gemeinsam vielleicht auf Möglichkeiten, die man selbst noch nie in Betracht gezogen hatte.

Eine kleine Geschichte…

Ich möchte euch hierzu von einem Konflikt erzählen, der in meinem Team und vor meinen Augen stattgefunden hat. Ich entfremde die Namen, obwohl es keinen Grund dazu gibt, so toll wie sich beide verhalten haben.

Der Konflikt entstand, da eine Mitarbeiterin, nennen wir sie Ellen, der anderen, Maike, vorgeworfen hat, dass ihr Verhalten ihr gegenüber feindselig und schroff war. Aus einem normalen Projektgespräch, platzte Ellen plötzlich mit diesem Vorwurf heraus und traf Maike damit sehr. Es hat Maike so sehr berührt, da sie für alles andere als feindselig und schroff stehen wollte. Beide Begriffe waren ihr völlig fremd.

Ich als Führungskraft war froh, dass Ellen damit rausgeplatzte, da es nichts Schlimmeres gibt als einen schwelenden Konflikt im Team, der nicht angesprochen wird. Er vergiftet das gesamte Team. Meine Aufgabe als Führungskraft ist es dabei, solche Konflikte an die Oberfläche zu bringen, indem ich sie anspreche und – wenn nötig – moderiere.

Also habe ich beide dabei unterstützt, ihren Konflikt in etwas zu transformieren, das ihnen eine neue Sichtweise ermöglicht. Ein erster wichtiger Schritt war hierbei, dass beide ihren Standpunkt äußern konnten, ohne unterbrochen zu werden. Die jeweils andere Person unterstütze ich dabei, die Schilderung auszuhalten und zuzuhören.

Was wir daraus gelernt haben…

Als Ellen ihre Sichtweise geschildert hatte, verfiel Maike für einen kurzen Moment in die Rechtfertigung ihres Verhaltens. Sie konterte, dass Ellens Sichtweise falsch war. Das wiederum bot für mich eine perfekte Gelegenheit, um das Thema Wirklichkeitskonstruktion wieder an die Oberfläche zu holen. Ich bat Maike, Ellens Wirklichkeit (ihre Wahrnehmung) zu akzeptieren, da es bei Wahrnehmung kein Richtig und Falsch gibt. Ich habe damit versucht, Maike in die Position zu bringen, dass sie es nicht als Affront sieht, denn ihre Wirklichkeit kann ja durchaus einen andere sein, sondern sich öffnet für die Sichtweise von Ellen.

Führung in kritischen Situationen

Auch, wenn es schwer ist und einem die Argumente gerade so auf der Zunge liegen, sollte man sich zurücknehmen, zuhören und den Konflikt für sich nutzen. Folgende Fragestellung hatte somit, nach einem anfänglichen verletzten Aufbäumen von Maike, geholfen den Konflikt für sich zu nutzen. Maike wollte jetzt wissen, warum Ellen so empfand und fragte: „Hilf mir zu verstehen, warum du mich so wahrnimmst?“.

Und plötzlich lag der Fokus nicht mehr auf einem sogenannten Konflikt, sondern eher auf einem gegenseitigen Verstehen. Der Konflikt hat zu einer Transformation geführt, der die Verbindung zwischen Maike und Ellen nachhaltig verändert hat, da beide etwas von sich preisgegeben haben, was sie ohne den Konflikt nicht getan hätten.

Ich bin sehr stolz auf meine beiden Teammitglieder, da sie den Konflikt angesprochen. Sie blieben standhaft und ließen die Sichtweise des jeweils anderen stehen. Sie haben die Situation in etwas verwandelt haben, das sie beide noch stärker verbunden hat. Ich bin, insbesondere seit dieser Situation, dankbar für jeden Konflikt und verfolge immer mit Spannung, was wohl daraus entsteht. So gerne animiere ich zum gegenseitigen Zuhören und ermahne, wenn Grenzen überschritten werden. Auch Wertschätzung für beide Parteien für ihre Offenheit und Verletzlichkeit gehören mit dazu.

Wer sich jetzt gerade ertappt fühlt und meint, hier noch gut und gerne etwas lernen zu können, ist in unserem Leader’s Paradise gut aufgehoben. Wir freuen uns auf euren Besuch 🙂

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