Wein des Monats zum Thema „Die eigene Führungskrise bewältigen“: 2019er Demuerte One Tinto DO aus Spanien

 

Nachdem das letzte Meeting leider ausfallen musste, haben wir uns auf den November-Termin umso mehr gefreut. Denn Michael Müller (Oskar Widmer GmbH) gewährte uns sehr persönliche Einblicke in die Geschichte seines Unternehmens in Hinblick auf Führungskrisen im Unternehmen als auch auf persönliche Krisen.

 

Persönliche Einblicke

Michael studierte BWL in Mannheim, setzte danach den „Dr.“ noch oben drauf und trug schon lange den Wunsch einer Selbstständigkeit mit sich. 2010 übernahm er schließlich die Firma Oskar Widmer GmbH und machte sich 2011 auch mit der Firma Rollomeister selbstständig.

Nach Michael seien vor allem die Jahre zwischen dem 20. und 30. Lebensjahr richtungsweisend für die Persönlichkeitsentwicklung. In der Zeit davor findet die Prägung unter anderem viel durch die Glaubenssätze anderer statt, z.B. „Man macht keinen Fehler zweimal.“

Für ihn persönlich seien drei Personen ganz besonders prägend gewesen: sein Vater, sein „Doktor-Vater“ und sein jetziger Vorgänger, der ehemalige Geschäftsführer der Oskar Widmer GmbH.

Sein Vater, selbst ebenfalls Unternehmer, und die anderen beiden Männer hatten vieles gemeinsam; alle drei waren stark leistungsorientiert, gaben immer Vollgas, „gut“ war nicht gut genug. Gerade bei seinem Vorgänger nahm Michael einen eher patriarchischen Führungsstil wahr, der eher mitarbeiterdistanziert wirkte, wodurch Wertschätzung folglich eine eher geringere Rolle spielte. Dies habe unter anderem dazu geführt, dass auch Michael selbst eher der Einzelgänger statt Teamplayer wurde, was sich sogar an seinen Sportarten zeigte: er wählte beispielsweise unter anderem lieber Reit- oder Kraftsport – beides keine Teamsportarten.
Dennoch war er schon früh der Meinung gewesen, dass sein Zweck der Existenz (nach dem Buch „Big Five For Life“) sei, Menschen zu helfen und ein Vorbild zu sein.

 

Unternehmenskrise

Die Firma Oskar Widmer GmbH ist die älteste Firma für Sonnenschutzanlagen (seit 1886). Als Michael nun die Firma übernahm, sei diese jedoch in einem sehr schlechten Zustand gewesen:

  • kein strategisches Produktmanagement
  • kaum bis kein Marketing
  • Reduktion der Mitarbeiteranzahl
  • Kurzarbeit
  • kurzfristige Kosten- und Ergebnisorientierung
  • etc.

Durch eine Unternehmensübernahme stellten sich außerdem die Herausforderungen, dass man die Mitarbeiter nicht kennt, für die man plötzlich Verantwortung trägt, alte Gewohnheiten bei den Mitarbeitern stark verinnerlicht waren und man doch einen gemeinsamen (neuen) Weg finden musste.
Es trafen hier also zwei verschiedene Welten aufeinander: Erfolgsverwöhntheit und Untergangsstimmung, krasse Leistungsorientierung und die „normale“ Arbeitswelt, persönliche Führungskrise und Unternehmenskrise.

 

Wege aus der Krise

Nun haben wir nicht mehr 2010, sondern 2021. Wie war Michaels Weg, um die eigene Führungskrise zu bewältigen?
Er selbst sagt, sowohl das Unternehmen als auch er selbst mussten um 180 Grad gedreht werden. Das sei jedoch ein Prozess, das funktioniere nicht von heute auf morgen, sondern brauche Zeit!

Schritt 1:

Der erste Schritt sei die „One-Man-Show“ gewesen. Er übernahm also viele große Baustellen, für die keine bzw. bisher noch nicht die richtigen Mitarbeiter eingestellt gewesen waren (Vertrieb, Marketing usw.), einfach selbst. Dies habe jedoch dazu geführt, dass die Außendarstellung mit der Zeit so wirkte, als sei Michael = Firma Oskar Widmer.

Schritt 2:

Er erkannte, dass er an vielen falschen Glaubenssätzen aus der Vergangenheit festgehalten hatte, die er nun über Bord warf. Übrig blieben diese drei hilfreichen Glaubenssätze:

  1. Dein Umfeld prägt deinen Charakter. Du bist der Durchschnitt der fünf Menschen, mit denen du deine meiste Zeit verbringst.
    Er habe erkannt, dass gewisse Menschen in seinem Umfeld ihn nicht bestärkten, sondern eher herunterzogen. Manchmal müsse man sich von gewissen Personen trennen – im Leben privat als auch im Unternehmen.
  2. Du bekommst, was du duldest.
  3. Gib immer mehr, als du für angemessen hältst.
    Nur so könne man Menschen mitreißen.

 

Schritt 3:

Auf die „One-Man-Show“ folgte nun die „One-Team-Show“. Ziel dessen sei, sich selbst als Führungskraft überflüssig zu machen, d.h. sich selbst als Führungskraft mehr und mehr zurückzunehmen, das Zepter abzugeben und Mitarbeiter zu befähigen, die Arbeit erfolgreich selbst zu erledigen.

Zum Beispiel geht Michael mit jedem Mitarbeiter des Unternehmens einzeln Mittagessen und pflegt seit einem Jahr das „Du“ in der Firma.

Wir finden deinen Weg beachtlich und absolut inspirierend! 🙂

Danke, lieber Michael, dass du uns so spannende und hilfreiche Einblicke in die Unternehmenskrise aber auch in deine ganz persönliche Führungskrise gewährt hast!

Im Dezember geht unser Meet & Lead nun erst mal in die Pause.
Über Neuigkeiten werden wir auf unseren Kanälen auf LinkedIn und Instagram berichten!

 

Lieben Gruß von Tanja, Julia, Lisa und Sabine

 

 

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